Hören ist ein komplexer Vorgand, und unser Gehör ist das
wichtigste unserer fünf Sinnesorgane. Das wurde den Senioren aus Pfinztal und
Umgebung in einem gut besuchten Informationsnachmittag durch einen Film der PSA
Medienwerkstätte und den Ausführungen eines ausgewiesenen Fachmediziners
deutlich gemacht. Zunehmende Schwerhörigkeit ist bei älteren Menschen weit
verbreitet. Sie ist eine normale Alterserscheinung, die mit der Alterung des
Innenohrs, insbesondere mit der flüssigkeitsgefüllten Schnecke, zusammenhängt.
Dies zeigte Professor Werner Heppt, Direktor der HNO-Klinik am Klinikum
Karlsruhe, in eindrucksvoller Weise auf. Es ist enorm, was unser Gehör leistet,
und es ist bewundernswert, wie es aufgebaut ist. Außenohr, Mittelohr und vor
allem das Innenohr bilden eine komplexe Einheit, zu der natürlich noch die
Nerven und das Gehirn kommen. Es soll Geräusche aufnehmen, differenzieren und
verständlich machen. Altersmäßig geht die Leistung dieses komplexen Systems
zurück, ein natürlicher Vorgang. Dazu kommen schädigende Einflüsse wie
Umweltlärm, Knallgeräusche, Schläge oder extrem laute Musik. Dabei ist unser
Gehör das wichtigste Sinnesorgan, weil es den Menschen erst zum Menschen als
geselliges, kulturelles Wesen macht. So hat die Fähigkeit zur Orientierung und
Information, zum Spracherwerb, zur Kommunikation und Weckung von Emotionen
mittels des Gehörs entscheidend zur Menschheitsentwicklung beigetragen. Das
Hören des Menschen beginnt schon im Mutterleib, die Stimme der Mutter begleitet
uns unbewusst ein Leben lang. Man kann das Gehör nicht abschalten, es ist auch
im Schlaf, im Unterbewußtsein aktiv und ein Leben lang intakt. Es ist das
wichtigste Organ zum Erwerb von Sprache und Wissen und wirkt mit Stimme und
Musik emotional auf das für unser Wohlgefühl verantwortliche Limbische System im
Gehirn, direkt über unseren Schläfen. In einem hochkomplexen Prozeß kann das
Gehör Sprache verarbeiten. Es hat einen riesigen Dynamikbereich mit
Intensitätsauflösung nach Frequenz, Zeit und Lautstärke, von 20 Herz bis 16
Kilohertz (!), und das in Mikrosekunden. Das schlechte Hören bedeutet eine
Einschränkung der Kommunikation, der kognitiven Fähigkeiten und emotionalen
Wahrnehmung. Professor Heppt zitierte dazu Emanuel Kant: „Nicht hören können
trennt den Menschen vom Menschen“. Das führt zur Selbstüberforderung, zu
Spannungen und letztlich zur Vereinsamung des Schwerhörigen. Er leidet unter
Vertrauensverlust, Nervosität, Erschrecken und Schlafstörungen. Hier ist ein
verständnisvoller Umgang angesagt. Das heißt: nicht anschreien, sondern deutlich
sprechen, dabei die Konsonanten betonen, das Ablesen vom Mund ermöglichen, auf
günstige Akustik und Beleuchtung achten und Fürsorglichkeit im Umgang.
Schwerhörigkeit ist keine Stigmatisierung. Der Schwerhörige wiederum sollte sich
zu seiner Schwäche bekennen und eine neue Lebensstrategie entwickeln. Und dazu
gehört, Vorsorgemöglichkeiten und Hilfsmittel nutzen. So war es dann auch
richtig, den Hörgeräte-Akustiker, Michael Krogmann vom Hörladen an der Pfinz, zu
bitten, im Anschluss an das Hauptreferat darzustellen, was moderne Hörgeräte zu
leisten vermögen. Es sind heute kleine Geräte mit Superleistung zur
Schallaufnahme - und Verarbeitung bei gleichzeitiger Abschirmung von Umweltlärm.
Sie dienen dem besseren Sprachverstehen, der Spracherkennung und ermöglichen
sogar eine adaptive Selektion der eingehenden Geräusche. Sie können natürlich
nicht das natürliche Organ ersetzen, sind aber eine große, nicht wegzudenkende
Hilfe für den gestressten Schwerhörigen. Die Ausführungen des Facharztes wie des
Hörgerätefachmanns bei diesem Vortrag der Seniorenakademie bestätigten in aller
Deutlichkeit das angekündigte Thema: „Hören ist das Tor zur Welt“, und unser
Gehör ist dazu das entscheidende Vermittlungsorgan. Wir sollten ihm die
entsprechende Aufmerksamkeit schenken.
Christian Mittelstraß