NEUE THERAPIEMETHODEN – HEILEN DURCH STRAHLEN

Mit Rückgang der Geburtenrate steigt der Anteil älterer Menschen in Deutschland stetig an. Gleichzeitig ist die all-
gemeine Lebenserwartung in Deutschland gestiegen. Dieser demographische Wandel hat Auswirkungen aufstrahlentherapeutische Aufgabenstellungen in der Flächenversorgung. Immer häufiger werden Patienten in fortgeschrittenem Alter in eine strahlentherapeutische Einrichtung zur Therapie überwiesen, die man vor 10 Jahren vermutlich gar nicht vorgestellt bekommen hätte. Das Durchschnittsalter der zu bestrahlenden Krebspatienten wird 2018 um etwa 5 Jahre zugenommen haben. Allein der demografische Wandel bewirkt eine Patientenzunahme von etwa 13% in 10 Jahren. Ferner ist zu beachten, dass sich bei Patienten über 80 Jahre einige in der Gesamtheit seltene Krankheitsbilder häufiger finden. Insgesamt machen zwar Darm-, Lungen-, Brust- und Prostatakrebs etwa ¾ der Bestrahlungsindikationen aus, aber auch Vul vakarzinome (5%), Analkarzinome (4%), Endometriumkarzinome (4%), Urothelkarzinome (2%) und Hautkarzinome (2%) werden vermehrt behandelt. Zunehmend drängen sich Fragen zur Strahlentherapietoleranz des älteren Menschen auf. Gibt es Altersgrenzen für kurativ intendierte Therapien? Können ältere Patienten multimodale Therapiekonzepte durchstehen? Zwar konnten einige Studien erhöhte Nebenwirkungsraten insbesondere bei kombinierteRadiochemotherapie zeigen, daher sollte die Entschei-dung zu einer zusätzlichen Chemotherapie auch maßgeb-lich von Faktoren wie Erhaltung der Le bens qualität und Vermeidung von Vergiftungen abhängig gemacht werden. Gleichzeitig sollten jedoch moderne Methoden wie die räumlich sichtbare Bestrahlung von Hirnmetastasen älte-ren Patienten nicht vorenthalten werden, da sie eine effektive und schonende Therapieoption darstellt. Daten zur Bestrahlung des Prostatakarzinoms bei älteren Män-nern konnten zeigen, dass die Radiotherapie von Älteren genauso gut toleriert wird wie von Jüngeren. Deutlich wird, dass der ältere Patient mehr und mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rutscht und Therapiekonzepte für diese Patientengruppe teilweise noch erarbeitet werden müssen.

Referent: Prof. Dr. med. habil. Frederik Wenz
Direktor für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Mannheim
Zeit: Dienstag, 28. September 2010, 14.30 Uhr
Ort: Evangelisches Gemeindehaus in Pfinztal-Berghausen